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Beiträge mit Schlagwort ‘Agrar’

Stadt Königs Wusterhausen untersagt Fest für die Agrarwende

Pressemitteilung

Demonstration gegen Erweiterung des Wiesenhof-Schlachthofs am 9. September geplant / Veranstalter vermuten Wahlkampftaktik hinter Nutzungsverbot der Festwiese in Niederlehme

WHES 2017 Aktionstour
Berlin/Königs Wusterhausen, 28.08.17. Ein „Fest für die Agrarwende“ sollte die Proteste gegen die geplante Erweiterung des Wiesenhof-Schlachthofs in Königs Wusterhausen (OT Niederlehme) am 9. September 2017 abrunden. Mit Musik, Essen und einem vielfältigen Kulturprogramm wollten die Organisatoren nach der Demonstration bei dem Fest für eine zukunftsfähige Landwirtschaft gemein-sam mit den Anwohnern feiern. Dies verhindert die Stadt Königs Wusterhausen nun, indem sie dem Anmelder der Demonstration die Nutzung des Festplatzes in Niederlehme untersagte. Diese Absage kommt für die Organisatoren überraschend, da sie bereits vor drei Monaten die Nutzung des Gelän-des beantragt hatten. Sie vermuten politische Motive hinter der Absage.

„Es ist Wahlkampf und die Bürgermeisterwahl naht. Offenbar werden politische Interessen über die demokratischen Rechte eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses mit mehr als 45 Organisationen gestellt. Das ist ein der Demokratie unwürdiges Spiel“, kommentiert der Leiter der Kampagne „Meine Landwirtschaft“, Jochen Fritz. Seiner Organisation wurde die Nutzung des Festplatzes unter-sagt. Unter dem Motto „Wir haben Tierfabriken satt!“ hat die Kampagne „Meine Landwirtschaft“ eine Demonstration am 9.9.17 ab 13 Uhr vom Bahnhof Königs Wusterhausen zum Wiesenhof-Schlachthof (Märkischen Geflügelhof-Spezialitäten GmbH) in Niederlehme angemeldet. Die Demonstration, zu der mehrere hundert Personen erwartet werden, richtet sich gegen die von Wiesenhof beantragte Verdopplung der Schlachtkapazitäten auf 240.000 Hühner am Tag. Die Demonstranten setzen sich für eine andere Agrarpolitik ein: für Bauernhöfe, mehr Tierschutz und eine Abkehr von der Exportorientierung der Landwirtschaft.

„Wiesenhof ist das Symbol der verfehlten Agrarpolitik der letzten Jahre. Wir brauchen einen Umbau der Tierhaltung und gesundes Essen für alle. Schlachthofe, die im Sekundentakt Tiere zerlegen, führen zu immer mehr Megaställen mit zehntausenden Tieren“, kritisiert Jochen Fritz, der in Werder/Havel im Nebenerwerb einen Biohof betreibt. „Wir sind nicht nur gegen die Schlachthof-Erweiterung, son-dern wir stehen auch für artgerechte und ressourcenschonende Alternativen in der Landwirtschaft. Deswegen wollten wir im Anschluss an die Demonstration ein Fest für bäuerliche Landwirtschaft durchführen, zu dem wir die Bewohner von Niederlehme und Königs Wusterhausen einladen wollten.“

Monatelang hielt die Stadtverwaltung die Veranstalter hin, die viele Dokumente (Auszug aus dem Vereinsregister, Handlungsbefugnisse, Lagepläne, Programmabläufe etc.) eingereicht hatten. Von Seiten der Polizei und des Ordnungsamts gab es keine Einwände gegen die Veranstaltung. Noch am letzten Mittwoch (23.08.17) wurde eine Übersendung des Vertrags für den folgenden Tag angekün-digt. Am Freitag, 25.08.17 folgte die Absage der Stadtverwaltung. In einer knappen E-Mail hieß es, dass die Veranstaltung „keine Zustimmung durch die Stadtverwaltung findet.“ Aus diesem Grund sei es nicht möglich, einen Nutzungsvertrag abzuschließen. Bürgermeister Dr. Lutz Franzke, auf den das De-Facto-Verbot zurückgeht, lehnte ein klärendes Gespräch mit den Organisatoren kategorisch ab.

„Selbst wenn die Stadt unsere Anliegen nicht teilt, gebietet es die Meinungsfreiheit auch Andersden-kenden Plätze für öffentliche Veranstaltungen bereitzustellen. Wir befürchten, dass es sich um ein wahlkampftaktisches Manöver des Bürgermeisters handelt“, so Fritz. Die Veranstalter laden alle Be-wohner von Königs Wusterhausen ein, an der Demonstration teilzunehmen und hoffen, dass noch eine einvernehmliche Lösung gefunden wird, damit das geplante Fest stattfinden kann.

Hintergrund: Die Kampagne „Meine Landwirtschaft“ ist ein breiter, zivilgesellschaftlicher Zusammenschluss aus mehr als 45 Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Tierschutz, Umwelt- und Naturschutz sowie Entwicklungszusammenarbeit. Zu dem Bündnis gehören beispielsweise der BUND, NABU, Brot für die Welt, Misereor, SODI, Inkota und der Deutsche Tierschutzbund. Unter dem Slogan „Wir haben es satt!“ demonstrieren die Trägerorganisationen der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ regelmäßig im Januar zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin für eine andere Agrarpolitik. Nun veranstalten sie kurz vor der Bundestagswahl die Demonstration zum Wiesenhof-Schlachthof, um dort für artgerechte Tierhaltung und bäuerliche Betriebe einzutreten.

Weitere Informationen: www.meine-landwirtschaft.de und www.wir-haben-es-satt.de

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Wir haben es satt!-Aktion für Saatgut-Vielfalt am 6.9. in Leverkusen

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Liebe Freund*innen der Agrar- und Ernährungswende,

 

kurz vor der Bundestagswahl gehen wir auf Wir haben es satt!-Aktionstour gegen Konzernmacht, Landraub und Tierfabriken (6.-9.9.), um zu zeigen, was hierzulande agrarpolitisch falsch läuft. In Leverkusen setzen wir am 6. September 2017 ein klares Zeichen für Saatgutvielfalt und gegen die wachsende Macht von Konzernen wie Bayer. Vor den Werktoren des Pharma- und Chemiemultis sagen wir Nein zur geplanten Übernahme von Monsanto. Die Industrialisierung der Landwirtschaft und der massenhafte Einsatz von Pestiziden, Patenten und Gentechnik, für die BaySanto steht, bedrohen die Unabhängigkeit von Bäuerinnen und Bauern und die Ernährungsgrundlagen von uns allen. In Leverkusen senden wir ein unmissverständliches Signal an die Politik: Statt weiterhin Industrieinteressen zu fördern, muss die Agrarpolitik künftig für freie Saatgutwahl und Pflanzenvielfalt eintreten, damit wir weiterhin patent- und gentechnikfrei essen können. Bist Du dabei?

  • Mittwoch, 6.9., 11 Uhr: Bayer-Zentrale, Kaiser-Wilhelm-Allee 1, 51368 Leverkusen
    „Bayer & Monsanto, bleibt uns vom Acker!“ – Aktion für Saatgutvielfalt


Die weiteren Stationen der Aktionstour:

  • /Fr., 7./8.9.: LebensGut Cobstädt, Schulplatz 8, 99869 Drei Gleichen (bei Erfurt)
    Diskussionen zu Landkonzentration in Deutschland sowie festliche Einweihung der „Allee gegen Landraub“
  • Samstag, 9.9., 13 Uhr: Bahnhof Königs Wusterhausen (bei Berlin)
    „Wir haben Tierfabriken satt!“-Demonstration zum Wiesenhof-Schlachthof

    Im Anschluss: „Tanzen, essen, baden – Fest für die Agrarwende“ und am Vorabend: Podiumsdiskussion zum Thema in Königs Wusterhausen

» Vollständiges Programm mit allen Veranstaltungen und Events
» Aufruf lesen

 

So kannst Du die Aktionstour unterstützen:

 

  • Material bestellen und verteilen: Einfach hier ein Mobilisierungspaket anfordern oder mit einer kurzen Mail an info@wir-haben-es-satt.de individuell bestellen.
  • Vernetz Dich mit uns: Teile unsere Facebook-Veranstaltungen (gesamte Aktionstour | Demo gegen Wiesenhof) und lade Deine Freund*innen ein. Oder nutze unsere Webbanner für Deine Website o.ä.
  • Spenden: Die Aktionstour ist nicht nur eine Menge Arbeit, sie kostet auch eine Stange Geld. Daher hilf uns, wenn möglich, mit einer Spende.
  • Fahr im Aktionsbus mit: Es sind noch Plätze frei! Hier bis zum 25.8. zur kostenlosen Mitfahrt anmelden.
  • Komm zur Demo zum Wiesenhof-Schlachthof: Nimm deine Freund*innen und komm zur großen Abschluss-Demo nach Königs Wusterhausen (direkte S-Bahn-Anbindung von Berlin). Wiesenhof will dort künftig 240.000 Hähnchen pro Tag (!) schlachten. Dazu sagen wir: Wir haben Tierfabriken satt!

 

Im Wahljahr auf die Straße für die Agrar- und Ernährungswende!

 

Viele Grüße

das Team von Wir haben es satt!

Sozial- und umweltgerechte Landwirtschaft fördern

Gemeinsame Pressemitteilung von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Greenpeace zum Deutschen Bauerntag

abl-logo

Greenpeace-Aktivisten und Bauern demonstrieren beim Deutschen Bauerntag

Berlin, 28.6.2017  Eine Agrarpolitik für eine ökologisch orientierte Landwirtschaft mit besserer Tierhaltung und fairen Preisen für die Erzeuger fordern Greenpeace-Aktivisten gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Beim Deutschen Bauerntag demonstrieren Umweltschützer und Landwirte mit Traktoren, einem Misthaufen und Bannern mit der Aufschrift „Die Agrarpolitik von Regierung und Bauernverbandsspitze ist Mist“. Sie verlangen einen Kurswechsel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied. „Die rückwärtsgewandte Klientelpolitik hat viel Mist produziert: Tier- und Pflanzenarten sterben aus, schädliches Nitrat verseucht das Grundwasser. Tiere werden völlig unzureichend gehalten. Viele Bauernhöfe schließen wegen finanzieller Notlagen“, sagt Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter. „Bundeskanzlerin Merkel muss jetzt notwendige Verbesserungen der Agrarpolitik in ihrer Partei durchsetzen.“

Bäuerinnen und Bauern bereit für Veränderungen „Bäuerliche Landwirtschaft, Tier- und Umweltschutz – wir können das schaffen“, so Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der AbL an die Adresse der Bundeskanzlerin. „Wir brauchen eine moderne Agrarpolitik für die gesellschaftlich akzeptierte bäuerliche Landwirtschaft, die wertvolle Lebensmittel erzeugt und gleichzeitig Tier-, Umwelt und Klimaschutz ernst nimmt. Viele Bäuerinnen und Bauern sind zu einem Umbau ihrer Wirtschaft bereit, sie werden aber von der Bundesregierung bisher nicht aktiv unterstützt. Weder bei der Förderpolitik noch im Fachrecht. Das muss sich ändern, damit junge Bäuerinnen und Bauern eine Perspektive bekommen, in die Landwirtschaft einzusteigen.“

Unter CDU/CSU-Führung trieb das Agrarministerium in den vergangenen zwölf Jahren vor allem industrielle Massenproduktion zu möglichst billigen Preisen voran. Laut einem Rechtsgutachten, das Greenpeace in Auftrag gegeben hat, werden über 90 Prozent der Schweine in Deutschland rechtswidrig und nicht artgerecht gehalten. Schädliches Nitrat aus zu viel Gülle verschmutzt das Grundwasser vielerorts so stark, dass die EU die Bundesregierung vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt hat.

Die Landwirtschaft in Bewegung bringen!

Milchbauernhof Wehling bei Elmshorn


Es braucht neue Impulse für eine Agrarwende von Unten. Wir treffen uns vom 26.-28. Mai und besprechen Ideen und Strategien für eine bäuerlich-widerständige Perspektive. Erster Schritt: Organisiere mit uns das Landwirtschaftszelt auf dem Camp der Klimabewegung im August 2017!

Bäuer*innen zeigen es tagtäglich: Ein Leben und Wirtschaften mit der Natur ist möglich. Dennoch schreiten weltweit Entwicklungen voran, durch die Menschen, Tiere und Umwelt ausgebeutet und unsere Lebensgrundlage aufs Spiel gesetzt werden. So haben allein in DE seit 2013 fast 10 000 Höfe ihren Betrieb eingestellt und im globalen Süden werden Bäuer*innen durch Freihandel und Klimawandel zur Flucht gezwungen. Die Löhne und Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft sind katastrophal – und das obwohl Essen nun wirklich jede*r braucht.

Wir setzen dem herrschenden System der Agrarindustrie die positive Vision der Ernährungssouveränität entgegen. Ein Netzwerk aus lokalen, kollektiven Strukturen, in denen die Menschen selbst darüber entscheiden, was und wie angebaut wird. In denen sie miteinander kooperieren statt in Konkurrenz zueinander zu stehen und wo sie gemeinsam ihren Bedürfnissen entsprechend und im Einklang mit der Natur wirtschaften. Es geht um Zugang zu Land, Saatgut in bäuerlicher Hand und darum, Ernährung als Angelegenheit aller zu begreifen.

Doch wie kommen wir dieser Utopie näher? Wie ist es möglich, hier im industrialisierten globalen Norden eine Bewegung für Ernährungssouveränität in Gang zu bringen? Welchen Ansatzpunkt/Kristallisationspunkt gibt es, um den Widerstand zu bündeln und deutlich sichtbar zu machen?

Darüber wollen wir uns am Himmelfahrtswochenende (26. – 28. Mai) austauschen und laden dich herzlich ein, mit uns gemeinsam Pläne zu schmieden…

Als weiteren Schritt organisieren wir dieses Jahr ein landwirtschaftliches Themenzelt auf dem „Bewegungs-Vernetzungs-Camp“ im Rheinland, das in enger Verbindung mit dem Klimacamp steht (18.-29.07.2017, http://www.klimacamp-im-rheinland.de/). Dort werden wir vom 18.-24. August 2017 die beflügelnde Aufbruchstimmung der Klimabewegung nutzen, um mit Menschen in Kontakt zu kommen und konkrete Ideen für weitere Aktionen zu entwerfen.
Sei dabei:
Strategie- und Visionstreffen

vom 26. – 28. Mai 2017 (Himmelfahrt).
Ort des Treffens und Kosten für Essen und Unterkunft werden noch bekannt gegeben.

Zur Anmeldung und bei Rückfragen bitte mail an: info@nyeleni.de

Wir freuen uns auf ein spannendes Wochenende mit anregenden Diskussionen, netten Menschen und viel Lebensfreude!
Falls du leider nicht bei unserem Treffen dabei sein kannst, aber Lust hast dich an der Organisation für das Landwirtschaftszelt im August zu beteiligen, freuen wir uns darüber ebenfalls sehr. Schreib uns auch dann eine Mail an: info@nyeleni.de
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*short english version*

Bring movement into agriculture!

New impetus for a bottom-up turnaround in agriculture is needed! We meet from 25. to 28.5. to talk about ideas and strategies for a resistant peasant perspective.

How can we put into motion a strong movement for food sovereignty in the industrialised global north? Which focal point can we use for pooling our resistance and rendering it visible?
These are the topics we want to discuss from 26. to 28.5.
We warmly invite you to make plans with us!

As a further step we organise an „agriculture tent“ from august 18. to 24. on a camp which will be nearby and closely related to the Rheinland climate camp (http://www.klimacamp-im-rheinland.de/en/). There, we hope to immerse into the inspiring atmosphere of the climate movement, get to know people and draft ideas for further action for food sovereignty.

We look forward to your replies and hope to see you soon!

Be with us:

First meeting: May 26. to 28., 2017; location and costs for food and accomodation are coming soon!
For registration and questions please write to info[at]nyeleni.de

We look forward to a weekend with stimulating discussions, nice people and lots of vitality!

If you are interested but don‛t have time at this date, please write to info[at]nyeleni.de – we are happy to hear from you!

Bayer und Syngenta: UN-Experten Bayer und Syngenta: UN-Experten müssen Pestizid-Vertrieb in Indien regeln

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PRESSEMITTEILUNG

 

 

Doppelstandards bei Pestiziden im globalen Süden

 

 

Berlin/Delhi, 7. April 2017 – Die Etiketten: inadäquat, die Schutzkleidung: unzureichend, die Schulungen: völlig unangemessen – der Vertrieb hochgefährlicher Pestizide durch die transnationalen Chemieunternehmen Bayer CropScience AG und Syngenta AG in Indien lässt einiges zu wünschen übrig. So belegen es der Monitoring-Bericht und das Video-Material, die das gemeinsame Expertengremium der Welternährungsorganisation FAO und der Weltgesundheitsorganisation WHO vom 10. bis 13. April 2017 bei seinem jährlichen Treffen in Delhi (Indien) diskutieren wird. Den Bericht hatten das ECCHR und seine Partnerorganisationen Kheti Virasat Mission (Indien), Pesticide Action Network Asia Pacific/PAN AP (Malaysia), Public Eye (Schweiz), Brot für die Welt und Misereor (beide Deutschland) im Oktober 2015 eingereicht.

Bei der UN-Konferenz werden Vertreter_innen von ECCHR, Kheti Virasat Mission und PAN AP Stellung zu dem Bericht nehmen. Die Organisation haben dem Expertengremium konkrete Vorschläge gemacht, um den Doppelstandards der transnationalen Agrar- und Chemieunternehmen ein Ende zu setzen. Die FAO und WHO sollen

  1. Bayer CropScience und Syngenta empfehlen, alle Pestizid-Produkte mit inadäquater Kennzeichnungen in Indien vom Markt zu nehmen; keine Pestizide zu verkaufen, bis genügend geeignete persönliche Schutzausrüstung und angemessene Schulungen von Bauern und Händlern sichergestellt werden können.
  2. der Regierung in Indien empfehlen, den Import und Vertrieb hochgefährlicher Pestizide zu verbieten und Unternehmen, die gefährliche Produkte nicht angemessen kennzeichnen, gemäß nationalen Rechtvorschriften zu sanktionieren.
  3. den Export-Behörden in Europa empfehlen, Daten über den Export von Pestiziden zu sammeln, um das Ausmaß möglicher negativer Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier sowie der Umwelt festzustellen. Wo notwendig, soll das Außenwirtschaftsrecht Exporte gefährlicher Pestizide verbieten.
  4. alle Beteiligten auffordern, für Abhilfemaßnahmen wie z.B. medizinische Unterstützung für die verheerende gesundheitliche Situation der Bauern im Punjab zu sorgen.

Offener Brief an die Europäische Kommission: Fusionen von Agrarkonzernen verhindern

 

[Berlin, 27. März 2017] – Fast 200 Organisationen fordern die Europäische Kommission heute in einem offenen Brief auf, die Fusionspläne von Bayer und Monsanto, Dow Chemical und DuPont sowie Syngenta und ChemChina zu stoppen. Darunter sind die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Aktion Agrar, der BUND, das Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile- Lateinamerika (FDCL), FIAN Deutschland, die Freien Bäcker, das Gen-ethische Netzwerk, das INKOTA-netzwerk, die Kampagne Meine Landwirtschaft und Save Our Seeds aus Deutschland. Zur symbolischen Übergabe des Briefes versammeln sich die genannten Organisationen heute um 09:30 Uhr zu einer einstündigen Fotoaktion und Kundgebung vor der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin.

Die bäuerlichen, entwicklungspolitischen, kirchlichen, Lebensmittelhandwerks- und Umweltorganisationen kritisieren in dem offenen Brief an die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, dass die angekündigten Zusammenschlüsse der sechs Agrarkonzerne die Marktmacht weiter konzentrieren und zu einer inakzeptablen Oligopolstellung führen würden, in der nur drei Konzerne rund 70% des weltweiten Pestizidmarktes und mehr als 60% des kommerziellen Saatguts kontrollieren. So heißt es in dem Text: „Die Fusionen würden die durch die industrielle Landwirtschaft verursachten Probleme weiter verschärfen – mit negativen Folgen für das Gemeinwohl und Verbraucher/innen, Bauern und Bäuerinnen, die Umwelt und die Ernährungssicherheit“.

„Nicht die industrielle, sondern die kleinbäuerliche Landwirtschaft ernährt die Welt. Mit den geplanten Megafusionen würde der Einfluss der großen Agrarkonzerne auf die Landwirtschaft und deren politische Gestaltung jedoch noch weiter ausgebaut. Patente beeinträchtigen die Vielfalt beim Saatgut und gefährden damit die Ernährungssicherheit insbesondere für Millionen von Kleinbäuerinnen und -bauern im Globalen Süden“, warnt Lena Michelsen vom INKOTA-netzwerk.

„Wir fordern die Europäische Kommission auf, die geplanten Übernahmen und Fusionen in ihrer Gesamtheit zu betrachten und abzulehnen. Bei der Fusionskontrolle darf nicht allein auf ökonomische Folgen der Übernahmen geachtet werden. Es geht auch um demokratische Fragen sowie ökologische und soziale Auswirkungen. Es braucht klare Grenzen für Marktanteile, die einzelne Konzerne haben dürfen, und Möglichkeiten, zu große Unternehmen zu entflechten“, fügt Jutta Sundermann von Aktion Agrar hinzu.

„Statt das Agribusiness weiter zu stärken, müssen staatliche Unterstützungen hin zu einer bäuerlichen, nachhaltigen und agrarökologischen Landwirtschaft verlagert werden, um ökologische und sozial gerechte Ernährungssysteme zu fördern, die unabhängig sind von den großen Konzernen“, so Jochen Fritz von der Kampagne Meine Landwirtschaft.

Weitre Informationen:

„Wir haben Agrarindustrie satt!“: 18.000 Bauern und Bürger fordern Wende in der Agrar- und Ernährungspolitik

Gemeinsame Pressemitteilung

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130 Traktoren aus ganz Deutschland führen Demonstration an / Bündnis fordert in 9-Punkte-Plan tier-, umwelt- und klimagerechten Umbau der Landwirtschaft Berlin, 21.1.17. Parallel zur Grünen Woche zogen heute bei der „Wir haben es  satt!“-Demonstration 18.000 Menschen für Bauernhöfe und den tier- und umweltgerechten Umbau der Landwirtschaft durch das Berliner Regierungsviertel. Angeführt von rund 130 Traktoren drückten die Demonstranten unter dem Motto „Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen!“ lautstark ihren Protest gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft aus. Bereits am Morgen hatten konventionell und ökologisch wirtschaftende Bauern am Bundeslandwirtschaftsministerium neun Forderungen zur Bundestagswahl überreicht. Der Tenor des 9-Punkte-Plans: Die gravierenden Krisen in der Landwirtschaft erfordern nicht folgenloses Reden, sondern entschlossenes Handeln.

„Wir fordern ein Ende der Subventionen für die Agrarindustrie und den Stopp von Mega-Fusionen im Agrar-sektor. Stattdessen brauchen wir Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umwelt-schonend wirtschaften“, sagt Jochen Fritz, Sprecher des „Wir haben es satt!“-Bündnisses, dem mehr als 100 Organisationen aus Landwirtschaft, Imkerei, Natur-, Tier- und Verbraucherschutz, Entwicklungsorga-nisationen und dem Lebensmittelhandwerk angehören. Fritz weiter: „Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt muss endlich dafür sorgen, dass die bäuerlichen Betriebe vom gesellschaftlich gewollten Umbau hin zu einer ökologischeren, tierfreundlicheren Landwirtschaft profitieren. Herr Schmidt darf nicht noch mehr Zeit verlieren und muss Agrarpolitik für Bauern statt Agrarindustrie machen!“ Außerdem fordern die Demonstran-ten im Wahljahr unter anderem die konsequente Förderung von Bauernhöfen sowie die drastische Reduzie-rung von Pestiziden und Antibiotika.

Das Bündnis kritisiert, dass aufgrund fehlgeleiteter Agrarpolitik in den vergangenen zehn Jahren mehr als 100.000 Bauernhöfe aufgeben mussten. Außerdem belaste die deutsche Agrarpolitik, insbesondere durch übermäßige Fleischproduktion, die Umwelt und das Klima und zerstöre durch Dumpingexporte kleinbäuerli-che Strukturen überall auf der Welt. Gleichzeitig formierten sich immer größere, global agierende Konzerne. In der Fusion der Chemiekonzerne Bayer und Monsanto sieht das Bündnis eine große Bedrohung, da künf-tig mehr als 60 Prozent des Saatgut- und Agrochemiemarktes von drei Mega-Konzernen beherrscht würden. Die Kartellbehörden müssten verhindern, dass bäuerliche Betriebe und Konsumenten von patentiertem Saatgut abhängig werden. Auf dem Traktor eines Brandenburger Bauers war zu lesen: „Bayer und Monsanto, bleibt uns vom Acker!“

An der Spitze des Demonstrationszuges liefen zahlreiche junge Bäuerinnen und Bauern, die einen Hof grün-den wollen. Ihnen fehlt aber vielfach der Zugang zu landwirtschaftlich nutzbarem Boden. Julia Rupp, 26-jährige Bäuerin aus Honhardt in Baden-Württemberg, sagte: „Als junge Generation wollen wir eine Zukunft auf dem Land, uns werden aber zu viele Steine in den Weg gelegt. Wir brauchen dringend ein Agrarstruktur-gesetz, das Landkauf- und Pachtrechte bevorzugt an junge Bäuerinnen und Bauern gibt, nicht an Investo-ren. Wir müssen den Niedergang der bäuerlichen Landwirtschaft und des Lebensmittelhandwerks aufhalten, sonst kommt es zum Strukturbruch. Unsere Lebens- und Ernährungsgrundlage lassen wir uns nicht von Ag-rarkonzernen wegnehmen!“
Die Demonstration richtet sich gegen die Agrarindustrie, nicht aber gegen konventionelle Landwirte. Seit sie-ben Jahren praktiziert „Wir haben es satt!“ den Dialog zwischen Zivilgesellschaft, konventionellen und Öko-Bauern sowie Lebensmittelhandwerkern, um gemeinsam Wege für eine bäuerliche Zukunftslandwirtschaft zu finden. www.wir-haben-es-satt.de

Fotos zur kostenfreien Verwendung in Kürze unter: http://flic.kr/s/aHskPWC4D7 (Urheber: „www.wir-haben-es-satt.de/Die Auslöser Berlin“)

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