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Archiv für 25. Juli 2017

NaturFreunde fordern: Atomwaffen ächten – Atomwaffenstandort Büchel schließen

Berlin, 25.7.2017 – NaturFreunde aus Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Hessen und Niedersachsen veranstalteten am 23. Juli 2017 im Rahmen der Kampagne „20 Wochen gegen 20 Bomben“ eine Kundgebung mit Friedenswanderung am Atomwaffenstandort in Büchel. Sie forderten einen sofortigen Abzug der Atomwaffen aus Büchel und eine Beendigung der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ Deutschlands. Dazu erklärt Uwe Hiksch, Mitglied des Bundesvorstandes der NaturFreunde Deutschlands:

 

Im Fliegerhorst Büchel im Landkreis Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz lagern 20 US-amerikanische Atomwaffen, inklusive einer umfangreichen Infrastruktur für einen möglichen Einsatz. Mit der Kundgebung vor dem Fliegerhorst in Büchel und der Friedenswanderung haben die NaturFreunde ein Zeichen gegen Atomwaffen und Aufrüstung gesetzt.

 

Die NaturFreunde Deutschlands treten für eine Außenpolitik ein, die Konflikte friedlich löst, statt mit immer neuer Gewalt. Mit unserer Aktion haben wir ein klares Zeichen gegen die zunehmende Militarisierung der Außenpolitik und gegen die atomare Aufrüstung gesetzt. Wir NaturFreunde kämpfen für eine Welt ohne Hochrüstung und Atomwaffen. Wir NaturFreunde sind Teil des Bündnisses „Büchel atomwaffenfrei“ und werden im nächsten Jahr wieder bei den Aktionen dabei sein.“

 

Atomwaffen aus Büchel abziehen

 

Für die Lagerung der neuen Generation Atomwaffen vom Typ B61-12 in Büchel will die Bundesregierung die deutschen Tornado-Jets modernisieren und den Fliegerhorst Büchel ausbauen. In den nächsten Jahren sollen dafür mehr als 120 Millionen Euro ausgegeben werden. Dies ist völlig inakzeptabel.

 

Wir NaturFreunde lehnen die Modernisierung, den Bau und den Besitz von Atomwaffen ab. Atomwaffen müssen endlich international geächtet werden. Der Besitz oder die Drohung des Einsatzes von Atomwaffen muss durch ein internationales Gericht geahndet werden. Die NaturFreunde fordern ein sofortiges Ende aller Pläne zum Ausbau des Fliegerhorstes in Büchel sowie einen sofortigen Abzug und eine Verschrottung der Atomwaffen. Wir fordern die Bundesregierung und die im Bundestag vertretenen Parteien auf, die „nukleare Teilhabe“ Deutschlands aufzugeben und sich für eine völkerrechtliche Ächtung des Besitzes und des Einsatzes von Atomwaffen auszusprechen.

 

Deutschland muss dem völkerrechtlichen Vertrag zur Ächtung und dem Verbot von Atomwaffen beitreten

 

113 Staaten haben in der UN-Generalversammlung beschlossen, dass 2017 über ein Verbot von Atomwaffen verhandelt werden soll. Die Bundesregierung stimmte bei dieser historischen Abstimmung jedoch mit „Nein“ und erklärte, dass ein „Vertrag mit dem Ziel eines sofortigen Verbotes von Nuklearwaffen […] nicht geeignet [sei], um das Ziel einer nuklearwaffenfreien Welt zu erreichen“, da er „wirkungslos bleiben“ werde. Trotzdem haben 122 Staaten in der UN-Generalversammlung am 7. Juli 2017 ein Atomwaffenverbot beschlossen – mit nur einer Gegenstimme von den Niederlanden und einer Enthaltung von Singapur. Die Bundesregierung hat dieser Resolution ihre Zustimmung verweigert.

 

Die NaturFreunde werden im Bundestagswahlkampf von den Parteien fordern, dass sie sich für eine weltweite Ächtung von Atomwaffen einsetzen. Gemeinsam mit der Friedensbewegung fordern die NaturFreunde, dass der neu gewählte Deutsche Bundestag beschließt, dem internationalen Vertrag zur Ächtung der Atomwaffen beizutreten, und die Bundesregierung auffordert, die Ratifizierung einzuleiten. Wir NaturFreunde akzeptieren nicht, dass alleine die US-amerikanische Regierung zwischen 2015 und 2024 insgesamt 350 Milliarden Dollar für den Erhalt und die Modernisierung ihrer Atomwaffen ausgeben will. Auch Russland, China, Frankreich und Großbritannien haben die Modernisierung ihrer Atomwaffenarsenale angekündigt. Die NaturFreunde fordern das Beenden dieser nuklearen Aufrüstungsspirale.

 

NaturFreunde aktiv in der Friedensbewegung

 

Seit ihrer Gründung sind die NaturFreunde Teil der internationalen Friedensbewegung. Sie engagieren sich aktiv bei den Ostermärschen und friedenspolitischen Aktionen. Die NaturFreunde sind Gründungsinitiatoren der heutigen Ostermarschbewegung und beteiligen sich aktuell an verschiedenen Bündnissen gegen Atomwaffen, Militarisierung und Waffenhandel. Die NaturFreunde Deutschlands arbeiten im Bündnis „atomwaffenfrei.jetzt“ und dem Bündnis „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ mit. Seit vielen Jahren engagieren sich NaturFreunde auch im Kasseler Friedensratschlag.

 

Bilder von der NaturFreunde-Aktion aus Büchel die rechtefrei verwendet werden können:

https://www.flickr.com/photos/uwehiksch/albums/72157683380483922

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Stiftung Preußischer Kulturbesitz muss endlich einen offenen Dialog über den Umgang mit angeeigneten Objekten und Gebeinen führen

NGO-Bündnis „No Humboldt 21!“

Pressemitteilung vom 24.07.2017
Humboldt Forum raus aus dem Luftschloss: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz muss endlich einen offenen Dialog über den Umgang mit angeeigneten Objekten und Gebeinen führen

postkolonial lumumba
Bénédicte Savoy hat den internationalen Expert*innenbeirat verlassen und Kritik am Humboldt Forum und seinem dialogscheuen Management geübt. „No Humboldt 21!“ begrüßt den konsequenten Schritt und erneuert seine Forderung, vor der Ausstellung von Objekten aus europäischen Kolonien das Einverständnis der Herkunftsgemeinschaften einzuholen und menschliche Gebeine zurückzugeben. Das von mehr als 80 migrationsgesellschaftlichen Organisationen im In- und Ausland getragene Kampagnenbündnis http://www.no-humboldt21, das schon seit der Grundsteinlegung 2013 ein Moratorium fordert, begrüßt den Austritt der Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy aus dem internationalen Beirat des Humboldt Forums. Die Expertin hat in ihrem Interview  in der Süddeutschen Zeitung vom 20.7.2017 berechtigte Grundsatzkritik am postkolonialen Prestigeprojekt der Bundesrepublik geäußert. Ihr Protest – u.a. gegen das Ausbleiben einer engagierten und transparenten Provenienzforschung sowie gegen eine mangelhafte Diskussionskultur – sollte ernstgenommen werden.

Die Fassungslosigkeit des Gründungsintendanten Horst Bredekamp, seine absurde Beschwerde über die angeblich nur „deutsche Diskussion, die zunehmend enervierend“ wäre und die kategorische Zurückweisung aller Kritikpunkte Savoys durch die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss bezeugen genau das, was wir seit Jahren monieren: das staatstragende topdown-Projekt ist an einer öffentlichen Debatte alles andere als interessiert.

Vor allem – so der Gründungsintendant – möge doch nicht immer wieder, „allein und vornehmlich die Kolonialzeit in den Mittelpunkt“ gestellt werden. Im Falle von Brüssel oder Paris wäre das angebracht, aber für Berlin würde der Kolonialismus doch nur 34 der 460 Jahre Sammlungsgeschichte ausmachen!

Eine solche Argumentation ist eines renommierten Historikers unwürdig. Sie entzieht sich auf unlautere Art der geschichtlichen Verantwortung und verschweigt, dass das Humboldt Forum ohne die 600jährige Unrechtsherrschaft des europäischen Kolonialismus für immer ein leerer Kasten bliebe. Sie suggeriert, dass Objekte aus den Kolonialreichen anderer europäischer Länder per se rechtmäßig erworben wären. Und sie verschweigt, dass die „kurze Zeit“ der deutschen Kolonialherrschaft auch die Hochzeit der ethnografisch-anthropologischen Sammelwut der Berliner Museen war.

Das Humboldt Forum, das meint, uns die Welt erklären zu können, hat sich sein Luftschloss aus großspurig-selbstherrlichen Phrasen längst gebaut. Die Macher bezeichnen die erst von der Zivilgesellschaft eingeforderte Provenienzforschung als die „DNA der Institution“, obwohl es bis heute keine öffentliche Diskussion der Forschungsergebnisse, keine breitenwirksame Publikation oder Ausstellung zur Erwerbsgeschichte der Kulturschätze gibt. Schlimmer noch: Ungeachtet der wiederholten Versprechungen durch den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist bislang nicht ein einziges der fast 8,000 menschlichen Gebeine, die für rassistische Forschungszwecke nach Berlin gebracht wurden, zur Rückführung vorbereitet worden. Weil für eine systematische Provenienzforschung keine Gelder zur Verfügung gestellt werden, liegen die sterblichen Überreste der Kolonisierten schon seit sechs Jahren unangetastet in den Schuhkartons der SPK.

Seit Jahren vermeiden die Sammlungsverantwortlichen die breite öffentliche Diskussion über diese zentralen, für sie heiklen Themen. Nun wird die eindringliche Warnung des Beiratsmitglieds George Abungu aus Kenia – „If you don’t do it with us, you do it against us!“ – kurzerhand zum immer schon geltenden Credo des Humboldt Forums erklärt. Er selbsthatte beim letzten öffentlichen Auftritt des internationalen Beirats in Berlin keine zehn Minuten Redezeit. Die angekündigte Abschlussdebatte mit dem Publikum fiel aus. Mnyaka Sururu Mboro vom Bündnis „No Humboldt 21!“: „Genau 100 Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft will Deutschland den 600-Millionen-Palast der brandenburgisch-preußischen Kolonialherrscher eröffnen. Anstatt sich endlich für den Genozid an den Herero und Nama und für den nicht weniger verheerenden Maji Maji-Krieg in Tansania zu entschuldigen und Wiedergutmachung zu leisten, will es sich mit fremden Schätzen erneut als global bedeutende Kulturnation inszenieren. Bénédicte Savoy gebührt Respekt. Sie weiß, dass sich das nicht gehört. Deutschland muss Ritualobjekte und menschliche Gebeine den Herkunftsgesellschaften zur Rückgabe anbieten. Beutekunst darf im Humboldt Forum nur mit dem Einverständnis der rechtmäßigen Besitzer ausgestellt werden.“
Mehr: http://www.no-humboldt21.de
Video: https://www.youtube.com/watch?v=gQKf0utEM88
Fotos: http://www.photographers-in-solidarity.org/category/afrika/

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