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Beiträge mit Schlagwort ‘Atomwaffen’

IPPNW: Atomwaffen mit Völkerrecht nicht vereinbar

ippnw

-Pressemitteilung vom 22.4.2016

Klage gegen Hermann Theisen: Offener Brief an die Staatsanwaltschaft Koblenz


Die IPPNW solidarisiert sich in einem gestern versendeten Offenen Brief an die Staatsanwaltschaft Koblenz mit dem Friedensaktivisten Hermann Theisen aus Heidelberg. Er hat SoldatInnen und Zivilbeschäftigte des Fliegerhorstes Büchel in unterschiedlichen Flugblättern aufgefordert, Befehle und Dienstanweisungen zu verweigern, die im Zusammenhang mit der Stationierung der US-Atomwaffen stehen. Und er informiert die Öffentlichkeit über die Hintergründe der geplanten Neustationierung von zielgenaueren Atombomben, die er als völkerrechts- und grundgesetzwidrig kritisiert.

Die Ärzteorganisation fordert die Bundesregierung auf, endlich den Beschluss des Bundestages aus dem Jahr 2010 und den Willen einer überwältigenden Mehrheit der Menschen in Deutschland nach einem Abzug der Atomwaffen aus Deutschland zu erfüllen. Laut Forsa-Umfrage vom März 2016 unterstützen 85% der BundesbürgerInnen den Abzug der US-Atomwaffen, 93 % sogar ein Verbot aller Atomwaffen. Dann brächte die Regierung die Bundeswehr-SoldatInnen in Büchel auch nicht mehr in eine unhaltbare Rechtslage. Am 8. Juli 1996 hat der Internationale Gerichtshof in Den Haag, die Androhung des Einsatzes und den Einsatz von Atomwaffen für generell völkerrechtswidrig erklärt. Für Hermann Theisen und die IPPNW ist die nukleare Teilhabe Deutschlands und die Aufrüstung der in Büchel stationierten Atomwaffen mit diesem Urteil unvereinbar.

„Die Staatsanwaltschaft Koblenz verfolgt den Atomwaffengegner Hermann Theisen wegen der Verteilung eines Flugblattes mit einer Übereifrigkeit, die den Verdacht erweckt, als gäbe es dabei eine politische Agenda“, heißt es in dem Offenen Brief der IPPNW. Oberstaatsanwalt Schmengler kam im Sommer 2015 zu einer gegenteiligen strafrechtlichen Bewertung: „Nach dem vorgetragenen Sachverhalt ist kein Anfangsverdacht für ein strafbares Verhalten gegeben (§ 152 Abs. 2 der Strafprozessordnung). Nach zwei Verurteilungen zu Geldstrafen (80 und 40 Tagessätze in mehreren zum Teil zusammengezogenen Verfahren) durch das Amtsgericht Cochem sind Berufungsverfahren am Landgericht Koblenz anhängig. Die Staatsanwaltschaft Koblenz führt in ihrer Berufungsbegründung aus, dass „bei zutreffender Würdigung aller Strafzumessungsgründe“ die Verhängung einer kurzen Freiheitsstrafe zur Bewährung notwendig sei. Damit nicht genug: Sie hat das Amtsgericht zu weiteren Anklagen bewegt.

Die IPPNW fragt in dem Offenen Brief: „Warum werden immer wieder Einzelpersonen herausgepickt und mit maßlosem Engagement über eine Rechtsinstanz nach der anderen verfolgt, statt sich mit der Kampagne gegen Atomwaffen in Deutschland politisch auseinanderzusetzen?“ Die Bundesregierung scheut scheinbar die öffentliche Debatte über die Lagerung und Aufrüstung der Atomwaffen in Büchel sowie über eine Vereinbarkeit der Nuklearen Teilhabe im Rahmen der NATO mit dem Völkerrecht und dem Grundgesetz. Die Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“ – mitgetragen von der IPPNW – wird weiterhin auf diesen rechtswidrigen Zustand hinweisen, bis er endlich aufgehoben wird. 20 Kalenderwochen stehen dabei stellvertretend für 20 Atombomben: Seit dem 26. März bis zum Nagasaki-Gedenktag am 9. August 2016, führen Gruppen und Einzelpersonen am Atomwaffen-Stützpunkt Büchel Mahnwachen und andere gewaltfreie Aktionen durch.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.atomwaffenfrei.de/buechel

Den Offenen Brief an die Staatsanwaltschaft Koblenz  finden Sie unter http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomwaffen/Offener_brief_staatsanwaltschaft_koblenz.pdf

G7-Außenministertreffen in Hiroshima: Katastrophale humanitäre Folgen von Atomwaffen werden ausgeblendet

Pressemitteilung von ICAN und IPPNW Deutschland vom 11.4.2016
ippnw

Die deutsche Sektion der IPPNW und ICAN Deutschland fordern Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auf, die katastrophalen humanitären Folgen der Atomwaffen beim Namen zu nennen und das Bekenntnis von 127 Staaten zu einer atomwaffenfreien Welt zu unterzeichnen. Die Erklärung der Außenminister beim G7-Außenministertreffen in Hiroshima bleibe weit hinter den Erwartungen zurück, wenn es um die humanitären Folgen von Atomwaffen geht. Die „humanitäre Initiative“, einschließlich von drei Staatenkonferenzen in Oslo (2013), Nayarit (2014) und Wien (2014) und eine Reihe von Erklärungen und Resolutionen zum Thema humanitärer Folgen von Atomwaffen, die eine Mehrheit der Staaten befürworten, wurden in der Erklärung mit keinem Wort erwähnt.

Auch bleiben in der Erklärung die wichtigen Beratungen der UN-Arbeitsgruppe (OEWG) ausgespart, die im Mai 2016 erneut in Genf tagt, um über juristische Maßnahmen für die nukleare Abrüstung zu beraten. Die Atomwaffenstaaten boykottieren diese Gespräche, weil sie mit den atomwaffenfreien Staaten nicht über konkrete juristische Schritte reden wollen. Besonders traurig ist hierbei, dass der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier eine Erklärung unterschrieben hat, die die bereits bestehenden Fortschritte der atomwaffenfreien Staaten für eine Ächtung der Atomwaffen vollkommen ausklammert.

ICAN Deutschland und die deutsche IPPNW-Sektion begrüßen aber die besondere Wahl des Ortes für das Treffen der Außenminister der G7-Länder. Die Stadt Hiroshima erinnert uns an die Notwendigkeit, Atomwaffen zu ächten. „Wir begrüßen daher die Entscheidung von John Kerry, als erster US-Außenminister Hiroshima zu besuchen“, so Xanthe Hall, Abrüstungsexpertin der IPPNW und Mitglied im ICAN-Vorstand. „Der Besuch in Hiroshima wäre jedoch eine Gelegenheit zu verkünden, wie sich die G7 konkret für eine Ächtung der Atomwaffen einsetzen werden.“ Stattdessen wird darauf hingewiesen, wie „komplex“ die Sicherheitslage sei. Insbesondere die Situation in Syrien, Ukraine und Nordkorea wird problematisch genannt.

„Damit stehlen sich die G7-Staaten aus der Verantwortung, die in der Verpflichtung im Artikel VI des Atomwaffensperrvertrag enthalten ist. Diese Verpflichtung wird sogar mutwillig anders interpretiert als sie vom Internationalen Gerichtshof bereits vor 20 Jahren im Rechtsgutachten zu Atomwaffen festgestellt wurde,“ sagt Xanthe Hall. Der IGH hatte erklärt, dass eine Verpflichtung bestehe, einen Vertrag für die Abschaffung aller Atomwaffen auszuhandeln. In der Erklärung heißt es nur, dass die G7-Staaten eine weitere Reduzierung der Atomwaffen weltweit verfolgen.

„Die G7 teilen zwar den tiefen Wunsch der Bewohner der Städte Hiroshima und Nagasaki, dass Atomwaffen nie wieder eingesetzt werden, sind aber nicht bereit, dafür konkrete Schritte zu gehen. ICAN fordert ein klares Verbot von Atomwaffen, wofür sich laut der neuesten Forsa-Umfrage auch 93% der deutschen Bevölkerung ausgesprochen haben“, sagt Sascha Hach vom ICAN-Vorstand.

EINLADUNG: Studienvorstellung „Die Waffen meiner Bank“ 7.4. in Berlin

Friedenstaube

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitstreiter/innen,

urgewald und Facing Finance möchten Sie ganz herzlich zur Vorstellung unserer Studie “Die Waffen meiner Bank” einladen. Diese findet am 7. April 2016 zwischen 11.30 und 14.30 Uhr statt.

 

Veranstaltungsort ist die Kalkscheune, Johannisstr. 2 in 10117 Berlin-Mitte. Informationen zur Anreise finden Sie unter folgendem Link: http://www.kalkscheune.de/de/lage-kontakt.
Wir freuen uns darauf, Ihnen unsere neuesten Studienergebnisse vorstellen zu können. Es erwarten Sie – hoffentlich – spannende Diskussionsbeiträge rund um das Thema “bombensichere Geldanlagen”. Die Veranstaltung wird ausreichend Raum für den Austausch mit Vertreter/innen aus Finanzbranche und Zivilgesellschaft bieten.

 

Programm

11.30 bis 11.45 Uhr  Ankunft und Begrüßung

11.45 bis 12.15 Uhr  Vorstellung der Verbraucher/innenstudie “Die Waffen meiner Bank” durch Dr. Barbara Happe, Bankenreferentin bei urgewald e.V. und Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance e.V.

12.15 bis 13.45 Uhr  Diskussion

 

                                 Jutta Hinrichs,  Steyler Ethik-Bank NN, Nachhaltigkeitsbank

                                 Dr. Annabel Oelmann, Verbraucherzentrale Bremen                                 

                                 Dr. Barbara Happe, Bankenreferentin bei urgewald e.V.

Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance e.V.

                                 Moderation: Antje Schneeweiß, Südwind Institut e.V.

 

13.45 bis 14.30 Uhr  Gemeinsamer Ausklang

 

Wir bitten Sie darum, sich bis zum 04. April unter barbara@urgewald.org anzumelden.
Wir freuen uns darauf, Sie am 7. April in Berlin zu begrüßen!

 

Mit freundlichen Grüßen

Barbara Happe und Thomas Küchenmeister

NaturFreunde: Karlsruhe: die Nagelprobe für den Atomausstieg

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Berlin, 15. März 2016 – Anlässlich der heute vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe begonnenen zweitägigen Verhandlung über eine Milliardenentschädigung für die Atomkonzerne erklärt Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands:

Die Atomkonzerne haben sich durch ihre verfehlte Energiepolitik in eine schwierige wirtschaftliche Lage gebracht. Für ihre selbst verschuldeten Fehler wollen sie nun auch noch rund 22 Milliarden Euro vom Staat erhalten. Es ist gut, dass die heutige Bundesregierung nicht wackelt. Allein die fragwürdige neue Kraft AFD will den Atomausstieg zurücknehmen.

Fehler hat aber auch die damals schwarz-gelbe Bundesregierung gemacht. Bundeskanzlerin Merkel hätte im Jahr 2011 den Ausstiegsbeschluss von Gerhard Schröder einfach wieder einsetzen sollen. Doch das ist leider nicht geschehen. Die Atombetreiber hatten damals den Ausstiegspfad ohne Entschädigung akzeptiert.

Die Fragwürdigkeit des ganzen Vorgangs zeigt sich daran, dass es zwischen beiden Ausstiegsbeschlüssen nur marginale Unterschiede gibt. Dadurch wird die Verlogenheit der Klagen der Atomkonzerne erst recht deutlich, auch wenn der RWE-Chef diese als Frage der Gerechtigkeit bezeichnet. Nein, hier geht es nicht um Gerechtigkeit, sondern um viel Geld.

Die großen Atomkraftbetreiber, vor allem E.on, RWE und Vattenfall, haben sich in den letzten 15 Jahren wie Dinosaurier verhalten – unfähig zur Energiewende. Sie haben – wie auch EnBW – im Jahr 2000 den Vertrag mit der damaligen rot-grünen Bundesregierung zum Atomausstieg ausgehandelt, dann jedoch nur wenig getan, dass es zu einer Energiewende kommt. Im Gegenteil: Die Atomkonzerne wollten den Atomausstieg nicht und setzten stattdessen auf eine Laufzeitverlängerung, zu der es dann im Jahr 2010 unter der konservativ-liberalen Bundesregierung kam.

Die Atomkonzerne haben die Energiewende verschlafen und wollen nun andere für ihr Versagen bezahlen lassen. Ihre Politik von gestern, die Unfähigkeit zu einer Transformation, ist von der schrecklichen Realität in Fukushima eingeholt worden.

NaturFreunde: Atomenergie: die Unfähigkeit aus Fehlern zu lernen

Euratom

Der Glaube der Menschen an die Allmacht der Technik wurde mit den Super-GAUs in Fukushima und Tschernobyl dramatisch bestraft

Berlin, 11. März 2016 – Vor fünf Jahren explodierten vier Reaktorblöcke der Atomzentrale in Fukushima, vor 30 Jahren der vierte Block der Atomzentrale in Tschernobyl. In beiden Fällen sei die Dummheit der Menschen, die blind und naiv auf die Allmacht der Technik setzten, dramatisch bestraft worden, kritisiert Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands. Michael Müller:

Der GAU von Fukushima hat die große Lüge beendet, dass ein solcher Unfall in hoch entwickelten Industriestaaten nicht möglich sei. Die Gefahren der Atomenergie entstehen nicht etwa nur durch marode Schrottreaktoren. Prinzipiell sind durch unerwartete Ereignisse oder durch die Unvollkommenheit der Menschen größtmögliche Unfälle immer denkbar.

Aus beherrschbaren technischen Risiken werden unbeherrschbare Gefahren

Fukushima hat gezeigt, dass aus beherrschbaren technischen Risiken unbeherrschbare Gefahren werden. Das ist der Konflikt der zwei Modernen: der absolute Glaube an den technischen Fortschritt mit stetiger Vorwärtsbewegung der Gesellschaft gegen eine reflexive Modernisierung, die von der Zukunft ausgeht und nachhaltig ist.

Fukushima steht aber auch für die Unfähigkeit zu lernen. Denn legte die japanische Regierung nach dem GAU erst alle japanischen Atomkraftwerke still, werden die AKWs jetzt wieder angefahren. Zudem wird nach der Pariser Klimakonferenz nun auch der Klimaschutz missbraucht, um die Atomenergie neu zu legitimieren.

Der GAU von Tschernobyl hingegen war die Folge eines leichtfertigen Belastungstest, der eine unkontrollierte Kettenreaktion auslöste. Hunderttausende Menschen waren und sind davon betroffen, eine ganze Region ist auf lange Zeit unbewohnbar geworden. Ein Großteil des ukrainischen Staatshaushalts geht in die Bewältigung der Folgelasten.

Es gibt ein ethisches und moralisches Vakuum im Umgang mit der Atomspaltung

Tschernobyl wurde nicht zum Anlass genommen, die Lüge von der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu beenden. Nach den beiden militärischen Super-GAUs in Hiroshima und Nagasaki kam es zu zwei zivilen Super-GAUs. Und die Ursache war immer ein ethisches und moralisches Vakuum im Umgang mit der Atomspaltung und damit der Radioaktivität.

Tschernobyl hat die Energiepolitik verändert, doch bis heute ist die Tragweite nicht wirklich begriffen worden. Der Widerspruch zwischen dem Wissen über die unkalkulierbaren und schrecklichen Gefahren der Atomspaltung und dem tatsächlichen Handeln prägt mehr denn je das menschliche Tun.

Die Konsequenz, die wir aus Tschernobyl und Fukushima zu ziehen haben, ist die sozialökologische Transformation, zu der vor allem eine Energiewende gehört. Diese Energiewende ist die Verbindung von Einsparen, Effizienzrevolution und erneuerbaren Energien, die umfassend nur möglich werden, wenn es zu einer grundlegenden Neuordnung in Richtung auf Energievermeidung, Dezentralität und mehr Demokratie kommt.

NaturFreunde treten bereits seit 1953 für den zivilen und militärischen Atomausstieg ein

Die NaturFreunde Deutschlands treten bereits seit dem Jahr 1953 für den Ausstieg aus der zivilen und militärischen Nutzung der Atomkraft ein. Fortschritt heißt für uns, die Verträglichkeit unserer Wirtschafts- und Lebensweisen mit der Natur wieder herzustellen sowie eine nachhaltige Entwicklung einzuschlagen, die die Dauerhaftigkeit des Lebens in den Mittelpunkt stellt.

Die NaturFreunde Deutschlands danken der Antiatombewegung, dass sie dafür eintritt. Der Satz von Albert Einstein darf nicht länger stimmen, dass die Menschheit mit der Atomkraft in ein neues Jahrhundert eingetreten ist, in ihren Denkweisen aber noch in der alten Zeit verbleibt.

70 Jahre Zwangsumsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner des Bikini-Atolls

Friedenstaube

— PRESSEMITTEILUNG —

Berlin, 1. März 2016

 

Am 1. März 2016 jährt sich zum 70. Mal die durch das US-Militär erzwungene Umsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner des Bikini-Atolls.
Die Zwangsumsiedlung markiert den Startschuss für zahlreiche Atomwaffentests der Vereinigten Staaten von Amerika auf dem Gebiet der heutigen Marshallinseln, die am 30. Juni 1946 mit der Zündung der ersten Bombe begannen und ihren traurigen Höhepunkt 1954 mit dem Bravo-Test mit einer Sprengkraft von 15 Megatonnen erreichten. Die Auswirkungen der Atomtests verursachen bis heute gravierende gesundheitliche Probleme in der Bevölkerung des Landes, darunter die weltweit höchste Rate an Krebserkrankungen.
Unter dem Vorwand, sie könnten nach den Tests auf ihre Inseln zurückkehren, wurden die insgesamt 167 Bewohnerinnen und Bewohner der Hauptinsel des Bikini-Atolls und weitere 29 Bewohnerinnen und Bewohner der Enyu-Insel dauerhaft ihrer Heimat beraubt. Für sie und ihre Nachfahren begann eine Odyssee, die sie vor den Folgen der nuklearen Verstrahlung nicht schützen konnte, viele von ihnen aber in den Hungertod auf dem Rongerik-Atoll trieb, auf welches sie zunächst evakuiert wurden und welches den Menschen keine ausreichende Lebensmittel- und Wasserversorgung bot. Durch die insgesamt 67 Atomwaffentests, die von 1946 – 1958 auf dem Bikini- und Eniwetok-Atoll stattfanden, wurden durch radioaktiven Niederschlag auch die etwa 200 Kilometer entfernt gelegenen Atolle Rongelap und Rongerik kontaminiert. Dokumente des US-Militärs weisen darauf hin, dass das amerikanische Militär die Verstrahlung der nach Rongerik evakuierten Bewohnerinnen und Bewohner des Bikini-Atolls bewusst in Kauf genommen hat, um die Auswirkungen nuklearer Verstrahlung zu untersuchen. Bis heute weigern sich die USA, sich für das Unrecht, welches den Bewohnerinnen und Bewohnern des Bikini-Atolls und anderer Inseln angetan wurde, zu entschuldigen und Entschädigungszahlungen zu leisten.
Das Pazifik-Netzwerk wendet sich gegen jede Form von atomaren Waffen und setzt sich für eine atomwaffenfreie Welt ein. Es verurteilt den Missbrauch der Marshallinseln sowie anderer Regionen im Pazifik für den Test zerstörerischer Massenvernichtungswaffen durch die USA und anderer Großmächte aufs Schärfste und unterstützt die Marshallinseln ausdrücklich in ihrem Kampf für internationale Anerkennung und Wiedergutmachung. Das Pazifik-Netzwerk setzt sich für das Recht auf Selbstbestimmung der Völker im Pazifik im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich ein. Kaum ein Beispiel zeigt ein Verstoß gegen dieses Gebot so deutlich auf wie die Zwangsumsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner des Bikini-Atolls und die bis heute andauernden Folgen amerikanischer und anderer Atomwaffentests im Pazifik.

IPPNW verurteilt Atomtest Nordkoreas

IPPNW-Pressemitteilung vom 6.01.2016

ippnw

Laut der Wiener Organisation für den Atomteststoppvertrag CTBTO fand heute um 1:30 UTC (2:30 MEZ) ein ungewöhnliches seismisches Ereignis in Nordkorea statt, bei dem es sich vermutlich um einen Atomtest handle. Nordkorea behauptet, erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet zu haben. Die Ärzteorganisation IPPNW verurteilt den Atomtest als Verstoß gegen die universell akzeptierten Normen eines umfassenden Verbots von Nuklearwaffenversuchen, zu dem sich bisher 183 Länder vertraglich verpflichten. Jeglicher Atomtest bedeute eine schwere radioaktive Belastung für die Umwelt und eine Gefährdung des Weltfriedens, so die IPPNW.

Der Test ist Nordkoreas vierter Atomwaffenversuch seit 2006. Nordkorea ist das einzige Land, das noch Atomtests durchführt. Alle anderen Atommächte verzichten entweder vertraglich oder freiwillig auf Atomtests. In diesem Jahr wird sich der Atomteststoppvertrag zum 20. Mal jähren, ohne offiziell in Kraft zu treten. Denn die USA, China und Israel haben den Atomteststoppvertrag zwar unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert; Nordkorea, Indien und Pakistan haben nicht einmal unterzeichnet. Insgesamt benötigt der Vertrag die Unterschriften und die parlamentarische Ratifizierung weiterer elf Staaten, um in Kraft treten zu können, darunter Ägypten und der Iran. Auch Saudi-Arabien, Syrien und Südsudan haben den Vertrag nicht unterzeichnet.

„Eine Atomwaffenexplosion ist ein Zeichen der Bereitschaft eines Landes, unzählbare Menschen einem unfassbaren humanitärem Leid auszusetzen und ganze Städte dem Boden gleich zu machen. Unter dem Vorwand der „nuklearen Abschreckung“ versucht Nordkorea, die gleiche Macht zu erlangen wie die anderen acht Atomwaffenstaaten und nimmt die ganze Welt für seine Forderungen in Geiselhaft. Es ist höchste Zeit, solche Drohungen mit Genozid als Mittel der Politik zu verbieten,“ sagt Xanthe Hall, Atomwaffenexpertin der deutschen IPPNW.

Die IPPNW fordert ein Verbot der Atomwaffen und arbeitet mit mehr als 400 Partnerorganisationen weltweit in der internationalen Kampagne für die Abschaffung aller Atomwaffen (ICAN). ICAN verurteilt alle Formen von Atomtests und ruft alle Länder auf, den Atomteststoppvertrag zu unterzeichnen und zu ratifizieren.

Seit sieben Jahren finden keine Gespräche mehr mit Nordkorea statt. Damals verschärften die Vereinten Nationen die Sanktionen gegen Nordkorea wegen einem Raketentest. In dieser Zeit gab es einige sehr gefährliche Spannungen in der Region, einschließlich des Gebrauchs von Waffen und Drohungen seitens Nordkorea, Atomwaffen einzusetzen. Vor einem Jahr berichtete eine chinesische Nachrichtenagentur, Nordkorea sei bereit, die Gespräche wieder aufzunehmen. Im November 2014 fanden dann auch Friedensgespräche mit Südkorea statt. „Es ist unabdingbar, dass Gespräche mit Nordkorea wieder aufgenommen werden. Mit dem iranischen Erfolg im Rücken, sollte Obama in seiner letzten Amtszeit noch zwei abrüstungspolitische Ziele verfolgen, die die Sicherheit der Welt maßgeblich verbessern würde: Frieden mit Nordkorea zu schließen und die US-Ratifizierung des Atomteststoppvertrags vor dem Kongress zur Abstimmung zu bringen“, so Hall abschließend.

Weitere Informationen zum Atomteststoppvertrag finden Sie unter http://www.atomwaffena-z.info/glossar/a/a-texte/artikel/4eb8b5893d/atomteststoppvertrag-umfassender.html

Weitere Informationen zur Wasserstoffbombe finden Sie unter http://www.atomwaffena-z.info/glossar/w/w-texte/artikel/8378b610ed/wasserstoffbombe.html

ICAN: Deutschland stimmt gegen Atomwaffenverbot

International Campaign to Abolish Nuclear Weapons
ICAN Deutschland e.V.
www.icanw.de
atomwaffenfrei jetzt

In der Generalversammlung der Vereinten Nationen wurden heute mit großer Mehrheit vier Resolutionen verabschiedet, die ein Verbot von Atomwaffen vorantreiben sollen. Mit zwei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen stellt sich die Bundesregierung gegen den Fortschritt in der nuklearen Abrüstung

Berlin, 8.12.2015

Bereits in der Abstimmung im Ersten Ausschuss der VN-Generalversammlung im November stimmte eine große Mehrheit der Staatengemeinschaft für vier Resolutionen, die den Weg zu einer umfassenden Ächtung von Atomwaffen ebnen können. In der finalen Abstimmung im Plenum der Generalversammlung am 7. Dezember votierten jeweils zwischen 132 und 144 der 193 Mitgliedstaaten für den Start von Verhandlungen über ein Atomwaffenverbot, die Anerkennung der katastrophalen humanitären Konsequenzen von Kernwaffen sowie für die ethische Verpflichtung, auf deren Abschaffung hinzuwirken.

Ebenso sprachen sich 138 Regierungen für die Einrichtung eines Unterorgans der Generalversammlung aus, das bis September 2016 Empfehlungen erarbeiten soll, wie die oftmals monierte „völkerrechtliche Lücke“ in Bezug auf Atomwaffen geschlossen werden kann.

Diese sogenannten Open-ended Working Group (OEWG) erlaubt es allen Staaten, sich abseits prozeduraler Hindernisse über die konkrete rechtliche Umsetzung eines Verbots auszutauschen. Bisher haben derartige Verhandlungen nur unter Konsensregeln stattgefunden – ein Konsens, den die Atomwaffenstaaten stets blockiert haben. Alle anderen Massenvernichtungswaffen unterliegen bereits spezifischen Verboten, etwa der Biowaffen- und Chemiewaffenkonvention.

Die Bundesregierung hat sich bei der Abstimmung über die humanitären Konsequenzen von Atomwaffen (A/RES/70/47) sowie über die Einrichtung der OEWG als Unterorgan der Generalversammlung (A/RES/70/33) enthalten. Bei einer Resolution, die lediglich die ethische Verpflichtung zur Abschaffung von Atomwaffen beschreibt (A/RES/70/50), stimmte Deutschland gar mit Nein. Ebenso stemmt sich Deutschland gegen die von Österreich eingebrachte Resolution (A/RES/70/48), die eine Ächtung von Atomwaffen fordert.

Die überwältigende Mehrheit der Staatengemeinschaft stimmte für diese Resolutionen. Deutschland befindet sich damit deutlich in der Minderheit. Gemeinsam mit den nuklear bewaffneten Staaten, welche ebenfalls gegen die Resolutionen gestimmt haben – und damit versuchen, ein Atomwaffenverbot zu verhindern. Noch 2012 hatte Deutschland für den Vorläufer der diesjährigen OEWG gestimmt, zu deren Sitzungen Deutschland 2013 konstruktiv beitrug.

Die Enthaltung sende das falsche Signal, wie ICAN-Vorstandsmitglied Leo Hoffmann-Axthelm hervorhebt: „Die Enthaltungen verdeutlichen den Unwillen der Bundesregierung, konstruktiv zur nuklearen Abrüstung beizutragen“. Obwohl die Bundesbürger nach Umfragen Atomwaffen entschieden ablehnen, behindert die Regierung auf internationaler Ebene deren Verbot. Deutschland setzt stattdessen weiterhin auf Verhandlungsformate, in denen die Atomwaffenstaaten ein Vetorecht haben und wie bisher jeden Fortschritt verhindern können. So untergräbt die Bundesregierung auch die Glaubwürdigkeit ihrer Abrüstungspolitik.

Dazu Leo Hoffmann-Axthelm: „Deutschland solidarisiert sich mit den Atomwaffenstaaten, anstatt gemeinsam mit der großen Mehrheit der Staatengemeinschaft für eine Ächtung der letzten Massenvernichtungswaffe einzutreten“.

IPPNW: Studie „Don’t Bank on the Bomb“

ippnw

12.11.2015

Studie „Don’t Bank on the Bomb“
Immer mehr Finanzinstitute lassen die Bombe fallen

Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW begrüßt, dass weltweit 53 Finanzunternehmen Investitionen in die Produktion von Atomwaffen verboten oder reduziert haben. Das sind 150 Prozent mehr Banken und Versicherungen als im Vorjahr. Das ist das Ergebnis der vierten Ausgabe der Studie „Don’t Bank on the Bomb“, die die niederländische Friedensorganisation PAX heute veröffentlicht hat. Diese Steigerung macht die wachsende Stigmatisierung von Atomwaffen deutlich, deren Einsatz katastrophale humanitäre Folgen für die gesamte Menschheit hat. Trotzdem listet der Bericht noch 382 Banken, Versicherungen und Rentenfonds auf, die seit Januar 2012 fast 500 Milliarden US-Dollar für die Produktion für nukleare Waffensysteme zur Verfügung gestellt haben.

IPPNW-Abrüstungsexpertin Xanthe Hall, Vorstandsmitglied der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen Deutschland (ICAN Germany), erklärt: „Investionen in die Produktion, Instandhaltung oder Lagerung von Massenvernichtungswaffen und ihre Trägersysteme müssen aus ethischen Gründen untersagt werden. Im Falle einer einzigen Atombombenexplosion sind die humanitären Folgen so gravierend, dass effektive Hilfe für tausende von Menschen praktisch nicht möglich und die Umwelt jahrzehntelang kontaminiert wäre. Diese unmenschlichen und willkürlich tötenden Waffen wie Landminen und Streubomben zu stigmatisieren und sie von Investitionen auszuschließen, würde helfen, die Atomwaffenstaaten unter Druck zu setzen, sie abzuschaffen.“

Atomwaffen sind die einzigen Massenvernichtungswaffen, die noch nicht explizit durch einen internationalen Vertrag verboten sind – eine Rechtslücke, zu deren Schließung sich 121 Länder im sogenannten „Humanitarian Pledge“ verpflichtet haben.

Allein die zehn größten Investoren in Atomwaffentechnologie stellten den Herstellern Finanzmittel in Höhe von mehr als 209 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Die Top Drei der Investoren in Atomwaffentechnologie haben ihren Sitz in den USA: Capital Group, State Street und Blackrock haben zusammen mehr als 95 Milliarden US-Dollar investiert. In Europa kommen die größten Investitionen von BNP Paribas (Frankreich), der Royal Bank of Scotland (Vereinigtes Königreich) und Crédit Agricole (Frankreich). In der asiatisch-pazifischen Region sind an erster Stelle Mitsubishi UFJ Financial (Japan), die Life Insurance Corporation of India und Sumitomo Mitsui Financial (Japan).

Zehn deutsche Banken und Versicherungen investieren mehr als zehn Milliarden US-Dollar (fast neun Milliarden EUR) in Firmen, die die verheerendsten Massenvernichtungswaffen und deren Trägersysteme herstellen. Diese Unternehmen profitieren von Milliardenverträgen für die „nukleare Aufrüstung“, die die Atomwaffenstaaten vorantreiben. Mehr als 25 Millionen US-Dollar investieren deutsche Banken und Versicherungen beispielsweise in die Firma Boeing, die seit Jahrzehnten verantwortlich für die Entwicklung und Produktion von US-Langstreckenraketen ist. Boeing baut das Heckteil für die neue B61-12-Atombombe, deren Stationierung in Deutschland voraussichtlich ab 2020 geplant ist.

Für den Bau der neuen und umstrittenen britischen Atom-U-Boote, die 230 Milliarden Euro kosten sollen, bekam BAE Systems den Zuschlag. BAE Systems erhält insgesamt über 17 Millionen US-Dollar von Allianz, BayernLB, Commerzbank und der Deutschen Bank. Finanziert wurden zudem der französische Konzern Thales und der zweitgrößte Rüstungskonzern Airbus: Beide Firmen stellen gemeinsam mit anderen Firmen Atomraketen für französische U-Boote her. 18 weitere Finanzinstitute anderer Länder, die in Deutschland operieren, investieren in Atomwaffensysteme.

Die Ausgabe der Studie “Don’t Bank On The Bomb” finden Sie unter http://www.dontbankonthebomb.com/the-2015-report-is-out

Die International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN) ist Herausgeberin der Studie.

Rundbrief uranium-network.org 2 2015

atom-nirgendwo_55 antiatom

Inhalt

  1. Aktuelles rund um den Uranbergbau
  2. Allgemeine Uranentwicklungen: Viele Projekte scheitern, Russland und China sind auf dem Vormarsch, Widerstand gibt es immer
  3. Niger: Ein Überblick rund um Areva
  4. Tansania: Die Aufs und Abs des Mkuju River-Projekts und die Rüge der IAEA
  5. Internationales Uran-Filmfestival erneut in Berlin
  1. Unsere Aktivitäten
  2. Zentraltansania I: Neues von CESOPE
  3. Zentraltansania II: Widerstand gegen Farkwa-Damm
  4. Südafrika: Konferenz zur Nuklearisierung Afrikas und den Folgen für Uranbergbau
  5. Nächste Aktivitäten

III. Mehr zu uranium-network.org

I. Aktuelles rund um den Uranbergbau

1. Allgemeine Uranentwicklungen: Viele Projekte scheitern, Russland und China sind auf dem Vormarsch, Widerstand gibt es immer

Seit dem Sommer gibt es kaum Veränderungen in den Uranentwicklungen. Der Uranpreis ist seit Mai erst gefallen und stabilisiert sich nun etwas. Wie zuvor auch, gibt es immer wieder Neuigkeiten von Schließungen und Problemen einzelner Minen – von vielen haben wir bereits berichtet. Dazu gehören die Minen Kayalekera in Malawi (aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen), Trekkopje in Namibia (laut Allgemeiner Zeitung Namibia „eingemottet“), Azelik (wegen finanzieller Schwierigkeiten geschlossen) und Imouraren (Gründe reichen von „nicht rentabel“ bis „nicht abbaubar“) in Niger, aber auch abgebrochene Aktivitäten in der Zentralafrikanischen Republik. Wie wir berichteten, ist der französische Konzern Areva überschuldet, sodass dessen Aktien eine sehr schlechte Bewertung bekamen. Ähnliches gilt für CAMECOs Börsenwert, aber auch Rio Tinto oder BHB Billiton sind nicht weniger betroffen. Dazu kommt, dass es in Kanada Bedenken von Umweltbehörden gibt, die zu einem Uran-Bann führen könnten (siehe unten).

All dies weist darauf hin, dass der Boom, der 2007 mit dem Anstieg des Uranpreises begann, zu Ende ist.

Doch so schnell lässt sich das atomare Zeitalter wohl nicht einläuten. Uran-Experten wie Steve Kidd und Mycle Schneider gehen davon aus, dass Russland und noch stärker China Uranbergbau und Atomkraft weiter vorantreiben werden.

Das chinesische Engagement lässt sich vor allem an der Husab-Mine in Namibia erkennen. Die Pläne für die Mine sind weitreichend, die Guangdong Nuclear Power Company investiert ohnegleichen. Zugleich regt sich Skepsis, ob China mit dem derzeitigen Einbruch des Wirtschaftswachstums wirklich alle Projekte wie geplant wird vorantreiben können.

Bei allen industriellen Entwicklungen gibt es wie immer große Proteste gegen alle Vorhaben. Hier ein kleiner Überblick über ein paar von ihnen:

Auch in China gibt es Widerstand gegen Uranbergbau: Im August versuchten TibeterInnen, Uranabbau an einem heiligen Berg in Dringwa zu verhindern. Medienberichten zu Folge setzten sich die Bergmänner jedoch durch und begannen, alle Vorbereitungen für den Abbau zu treffen.

Jahrelanger massiver Protest im indischen Bundesstaat Meghalaya war erfolgreich: Die lokale Regierung entschied, dass das Projekt Kylleng-Pyndeng-Sohiong begraben wird. Als Gründe werden genannt, dass die Stimmung dafür gerade nicht die richtige sei sowie dass der bergige Untergrund den Abbau erschwere. Ausschlaggebender war allerdings vermutlich, dass Indien neue Möglichkeiten erschlossen hat, Uran zu importieren und deshalb das Projekt nahe den westlichen Khasi-Bergen fallen lässt.

Obwohl das Projekt, das nordaustralische Ranger-Bergwerk zu erweitern, erstmal gestoppt ist, nachdem Rio Tinto ausgestiegen ist, schließt die Betreiberfirma ER eine zukünftige Erweiterung jedoch nicht aus. Das stieß auf Proteste der LandbesitzerInnen, die fordern, den geplanten Expansionsbereich mit in den Kakadu Nationalpark aufzunehmen.

Nachdem die lokale Umweltbehörde im nordkanadischen Nunavut im Mai empfahl, Areva die Lizenz zum Uranabbau der Kigavit-Mine zu verweigern, gab es nun in Quebec ähnliche Signale: Die Behörde für öffentliche Umweltbefragungen (BAPE) hatte eine Umfrage durchgeführt und kam zu dem Schluss, dass Bergbau in Quebec zu viele unklare Gesundheits- und Umweltrisiken mit sich bringe. BAPE empfahl der Regierung, vor dem Beginn von Uranbergbau drei Bedingungen zu erfüllen: Dass die Bevölkerung die Pläne akzeptiert, wissenschaftliche Lücken geschlossen werden und ein solider legaler Boden geschaffen wird (für den vollständigen Bericht siehe hier).

Nun stehen sowohl in Nunavut als auch in Quebec die Entscheidungen der jeweiligen Ministerien aus.

Einen ähnlichen Behördenweg geht derzeit die spanische Provinz Castilla und León. Dort verabschiedete im September die parlamentarische Kommission für Entwicklung und Umwelt, einen Gesetzentwurf, nach dem die Regierung das Umwelt-Assessment für die geplante Retortillo-Mine revisieren muss. Das australische Unternehmen Berkeley treibt dieses Projekt seit einiger Zeit stark voran. Grundlage für die geforderte Revision ist u.a., dass die ursprünglichen Pläne keine Stationierung radioaktiver Abfälle beinhalteten. Der Gesetzesvorschlag muss zunächst vom gesamten Parlament angenommen werden, ehe er gültig wird. Unterstützt wird er von den verschiedenen basisdemokratischen Gruppierungen, die sich in Spanien gebildet haben und von denen einige seit Mai im regionalen Parlament sitzen.

Neben schlechter Finanzlage, behördlichen Herausforderungen und Protesten gibt es auch aus dem Bereich Gesundheit schlechte Neuigkeiten für Uran-Fans: Eine neue internationale Studie stellt heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen radioaktiver Exposition und Leukämie bei Uranbergmännern und -frauen gibt.

2. Niger: Ein Überblick rund um Areva

Zu den Aktivitäten von Areva in Niger gibt es zahlreiche Meldungen. Besonders spannend sind die bislang unbestätigten Gerüchte, dass Areva Entlassungen und gegebenenfalls die Schließung seiner Bergwerke plant. Das ist eine Folge des Bilanzverlusts von 2014 (wir berichteten) und soll einer möglichen Insolvenz des Unternehmens entgegenwirken.

Zugleich ist Areva dem Internationalen Rat für Bergbau und Metalle (ICMM) beigetreten, was das Unternehmen anscheinend zähmt: Es lädt nun alle dazu ein, Beiträge über „Verantwortliche Entwicklung“ für den Bergbauteil seines Jahresberichts zu liefern.

Dass Aktivismus gegen Uranbergbau in Niger nicht so einfach ist, wissen wenige besser als Ali Idrissa. Zusammen mit vielen Anderen setzte er sich letztes Jahr dafür ein, dass die Verträge zwischen Areva und der nigrischen Regierung revisiert werden. Das führte zwar offiziell zu höheren Steuern für das Unternehmen, doch die Verträge sind nirgendwo online zu finden – der Kampf um Transparenz geht weiter. Über die Repressionen, seine unermüdliche Motivation und die Kämpfe gegen Areva berichtete Ali Idrissa kürzlich im Guardian (englisch und französisch).

Der Dachverband Environmental Justice Organisations, Liabilities and Trade (EJOLT) hat zwei neue urze Überblickspapiere über Uranbergbau in Niger und Arevas Rolle darin sowie zum Widerstand von lokalen Organisationen und EJOLT veröffentlicht. Eines beschäftigt sich mit den Ines-Minen in Agadez, das andere mit den radiologischen Folgen des Uranbergbaus in Nordniger.

3. Tansania: Die Aufs und Abs des Mkuju River-Projekts und die Rüge der IAEA

Von Seiten der tansanischen Regierung wird immer wieder der Eindruck erweckt, dass das Mkuju River-Projekt bald startet So sprach der Vizeminister für Energie und Bergbau, Charles Kitwanga, davon, dass Uranabbau im April 2016 beginnen wird und versprach Arbeitsplätze für die tansanische Jugend. Es wurde gar zu einer Einweihungsfeier mit Präsident Jakaya Kikwete eingeladen (kurz darauf waren aber keine Informationen mehr darüber verfügbar). Die Fachpresse beurteilt die kurzfristige Entwicklung des Projekts eher kritisch. So schreibt z.B. das Nuclear Intelligence Weekly, dass das Projekt aufgrund der Abgelegenheit der Mine und der bereits jetzt hohen Kosten nicht vorangeht.

Zugleich rügt die Internationale Atomenergie Organisation (IAEA) Tanzania, nicht genug für die unabhängige Regulierung und Überwachung von Atomenergie und -strahlung zu tun. Es fehle eine unabhängige Institution, die die Verantwortung alle atomaren Aktivitäten im Lande trägt. Die tansanische Atomenergiekommission (TAEC) müsse dringend alle nichtlizensierten Betreiber unter ihre Kontrolle bringen. Zudem müssten die Verantwortlichkeiten zwischen TAEC und dem Ministerium für Energie und Mineralien strikter getrennt werden. Alles in allem müsse ein neues Gesetz mit einem regulativen Rahmen verabschiedet werden. Die tansanische Regierung hob hervor, dass sie daran arbeite alle Vorschläge umzusetzen.

Der vollständige Bericht erscheint in einigen Monaten, die Pressemitteilung der IAEA findet sich hier.

4. Internationales Uran-Filmfestival erneut in Berlin

Wieder war das internationale Uran-Filmfestival zu Gast in Berlin: Vom 24. bis 30. September wurden in der Brotfabrik Kurz- und Langspielfilme rund um das Thema Uran gezeigt. Eröffnet wurde das Festival mit Kevin Costners „Der Mann, der die Welt rettete“; es folgten zahlreiche und vielfältige Filme aus den USA, Polen, Brasilien, Deutschland, Spanien, Österreich, Indien, Frankreich, Ukraine, Italien, Mazedonien, Irland, Japan, Tadschikistan, Dänemark und Australien.

II. Unsere Aktivitäten

1. Zentraltansania I: Neues von CESOPE

Wir freuen uns, dass CESOPE in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Dar es Salaam die Aktivitäten zur Aufklärung und den Widerstand gegen das Dammbauprojekt in Farkwa (siehe unten) weiter erfolgreich fortsetzen kann.

Momentan beherrschen allerdings die für den 25.10. angesetzten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen jegliche gesellschaftlichen Diskussionen bis auf die Dorfebene. Auch CESOPE-AktivistInnen sind in den Wahlkampf involviert und deshalb in ihren darüber hinausgehenden Kapazitäten derzeit stark eingeschränkt.

Das Kopiergerät, das letztes Jahr mit Ihrer/Eurer Unterstützung angeschafft werden konnte, leistet gute Dienste. Die damit generierten Einnahmen tragen wesentlich zur Finanzierung der laufenden Ausgaben bei und können immer wieder helfen, Engpässe abzumildern. Auch das ebenfalls mit Eurer Unterstützung angeschaffte Auto steht trotz eines unverschuldeten schweren Unfalls weiterhin zur Verfügung.

Allerdings wird CESOPE täglich vor immense Herausforderungen gestellt: ständige Stromabschaltungen erschweren die Büroarbeit und verlässliches Personal für Verwaltungsarbeiten ist kaum zu finden. Vor einigen Wochen wurde das Büro von CESOPE ausgeraubt – Computer, Drucker, Scanner und sonstige Wertgegenstände sind alle verschwunden. Auch die Finanzierung der stark gestiegenen Mietkosten sind für CESOPE eine existentielle Herausforderung. Bei alternativ anvisierten günstigeren Räumen in einem staatlich finanzierten Neubau verzögert sich die Fertigstellung immer wieder.

Trotz allem leistet CESOPE unverzichtbare Arbeit im Widerstand gegen den Uranbergbau und andere politische und ökonomische Entwicklungen, die die Lebensgrundlagen der Menschen in der Region gefährden. Zum Aufbau einer tragfähigen Infrastruktur und Verwaltung brauchen sie dringend auch weiterhin unsere Unterstützung. Bitte helfen Sie mit einer Spende! (Menschenrechte 3000 e.V.; Volksbank Freiburg; IBAN: DE14680900000021335703;

BIC: GENODE61FR1; Stichwort „CESOPE“)

2. Zentraltansania II: Widerstand gegen Farkwa-Damm

Wie wir im letzten Rundbrief berichteten, schreiten die Pläne der Regierung voran, einen Staudamm in Farkwa nahe des Feuchtgebiets von Bahi zu errichten. Über wahrscheinliche Folgen für die Umwelt gibt es große Sorgen, da das Leben der dortigen Bevölkerung auf Landwirtschaft und Fischerei beruht. Auch wenn der Stausee offiziell der Wasserversorgung der Hauptstadt Dodoma dienen soll, wird allgemein ein Zusammenhang mit den Uranprojekten vermutet.

Nun wurde ohne Einbezug der dort lebenden Menschen von einem Gutachterbüro ein Umweltgutachten fertiggestellt und bei der staatlichen Umweltbehörde eingereicht. Erfahrungsgemäß bedeutet das in Tansania, dass das Projekt ohne großes Aufheben durchgewunken wird.

Das Umweltgutachten wurde nach wie vor nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Allerdings wurden die Ergebnisse im Rahmen einer Veranstaltung in Dodoma präsentiert, zu der auch CESOPE eingeladen war. Gemeinsam mit Urgewald e.V. und dem unabhängigen Geoökologen Dr. Holger Pabst haben wir dazu eine Stellungnahme verfasst und sowohl den tansanischen Behörden als auch der Weltbank und der KfW, die das Umweltgutachten bisher finanziert haben, vorgelegt. Wir sind der Ansicht, dass die bisherigen Untersuchungen den Ansprüchen an ein Umweltgutachten in keinster Weise gerecht werden und die Situation vor Ort nicht angemessen erfassen.

CESOPE hat deshalb spontan zwei Versammlungen in Bahi abgehalten, die jeweils breiten Zuspruch von der betroffenen Bevölkerung erhielten. Demnächst wird CESOPE eine erfolgreiche Unterschriftensammlung beenden und auf deren Grundlage rechtliche Schritte gegen den geplanten Farkwa-Damm einleiten.

3. Südafrika: Konferenz zur Nuklearisierung Afrikas und den Folgen für Uranbergbau

IPPNW, uranium-network.org und FSE (Federation for a Sustainable Environment, South Africa) laden vom 16. bis 19. November nach Johannesburg, Südafrika, ein. Die internationale Konferenz zur Nuklearisierung Afrikas und den Folgen für Uranbergbau baut auf den vergangenen Konferenzen in Mali (2012) und Tansania (2013) auf.

Damit verfolgen wir weiter das Ziel, ein globales Uranabbau-Verbot durchzusetzen. Deshalb konzentrieren wir uns im Rahmen der Konferenz nicht nur auf den Abbau und die entsprechenden Firmen, sondern auch auf pro-Atomkraft-Organisationen und andere Unternehmen, die afrikanische Länder nuklearisieren wollen. Weitere Schwerpunkte werden der Uranbergbau in Niger und Erneuerbare Energien sein. Zudem wird es eine Exkursion geben, um die Auswirkungen von Uran- und Goldbergbau in Südafrika zu erleben.

Alle sind herzlich eingeladen, an der Konferenz teilzunehmen. Günter Wippel freut sich über eine Email bei Interesse, Fragen oder Anmerkungen: conference2015[at]uranium-network.org.

4. Nächste Aktivitäten

Vom 19. Oktober bis 2. November kommt auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung die tansanische Juristin und Menschenrechtsaktivistin Flaviana Charles nach Deutschland.

Flaviana Charles ist beim Legal Human Rights Centre (LHRC) in Dar es Salaam als Programmdirektorin vor allem für Fragen im Bereich Unternehmen und Umwelt zuständig und ist seit Jahren eine wichtige Partnerin für unser Engagement in Tansania. Nach zwei von der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisierten öffentlichen Auftritten in Hamburg und Berlin begleiteten wir von uranium-network.org Flaviana noch bei einer Tour, die uns unter anderem zum Europaparlament nach Straßburg, nach Hohenlohe und nach Tschechien führen wird, wo wir gemeinsam mit tschechischen AktivistInnen den Folgen des dortigen Uranabbaus nachgehen werden.

Gegen Ende der Reise wird Flaviana am Studientag von Tanzania-Network teilnehmen, der am 31.10. und 1.11. in Freising stattfindet. Am 1.11. wird es eine letzte öffentliche Veranstaltung in Landshut geben. Näheres dazu bitte bei Martin Kurz erfragen.

III. Mehr zu uranium-network.org

Website: uranium-network.org

Facebook: facebook.com/UraniumNetwork – hier werden regelmäßig Links zu Veranstaltungen oder Artikeln gepostet.

Internationaler Uranverteiler: Anmeldung über mail@uranium-network.org – mit uranbezogenen Informationen, zumeist auf Englisch.

Für Anmerkungen und Hinweise, sowie Abmeldungen von diesem Rundbrief wendet Euch bitte an: mail@uranium-network.org

Für Spenden – insbesondere für die Arbeit von CESOPE in Tansania – sind wir sehr dankbar:

Menschenrechte 3000 e.V.; Volksbank Freiburg; IBAN: DE 14 6809 0000 0021 3357 03; BIC: GENODE61FR1;

bei Spenden speziell für CESOPE bitte als Stichwort „CESOPE“ angeben.

Impressum: uranium-network.org

uranium-network.org ist ein Projekt von

MENSCHENRECHTE 3000 e.V.

Postfach 5102

79018 Freiburg