Informationen und Infos über Anti-Atom, Antimilitarismus und NaturFreunde.

Archiv für 1. April 2020

Erklärung der Landesverbände Berlin und Brandenburg der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) zur aktuellen Corona-Krise

 

Mit Bedauern nehmen die VVN-BdA Brandenburg und die Berliner VVN-BdA zur Kenntnis, dass in der aktuellen Situation die Feiern anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung der in Brandenburg gelegenen Konzentrations- und Zwangsarbeitslager abgesagt werden müssen. Wir können diese Entscheidung nachvollziehen, gilt es doch das Leben der wenigen noch lebenden Zeitzeugen und ihrer oft betagten Angehörigen zu schützen und eine Weiterverbreitung des Virus auf Großveranstaltungen zu verhindern.

Daneben stellen wir mit Bestürzung und großer Besorgnis fest:

  • dass wir erleben müssen, dass der weltweite Abbau sozialer Sicherungsmechanismen in den letzten 30 Jahren und die damit einhergehende Zerstörung des Gesundheitswesens zu einer Wiederkehr eugenischen Denkens und Handelns führt, indem darüber diskutiert wird, dass ältere Menschen zu Gunsten einer funktionierenden Wirtschaft zu sterben hätten und dass auch nach ökonomischen Kriterien darüber entschieden wird bzw. entschieden werden soll, welche Menschen dringend benötigte medizinische Behandlung erhalten und welche nicht versorgt werden können;
  • dass die Bekämpfung der Corona-Krise in ganz Europa zum Abbau demokratischer Grundrechte und Etablierung autoritärer Herrschaftsformen genutzt wird;
  • dass in der Krise Machtkämpfe zwischen verschiedenen Staaten ausgetragen werden, die die Hilfe für die von der Krankheit bedrohten Menschen beeinträchtigen, v.a für die besonders bedrohten und unter katastrophalen Bedingungen lebenden Menschen in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln.

Wir fordern deshalb:

  • die gesundheitlichen Gefahren, die von COVID-19 ausgehen, dürfen nicht als Vorwand benutzt werden, demokratische Rechte dauerhaft abzubauen. Demokratie und Menschenrechte sind nicht Ursache der steigenden Infiziertenzahlen, sondern die jahrzehntelange, brutale Sparpolitik zu Lasten der Kranken und der Beschäftigten im Gesundheitswesen. Die jetzt eingeleiteten Einschränkungen demokratischer Rechte sind nach der Krise umgehend aufzuheben.
  • die Rettung der in den Flüchtlingslagern in Griechenland vegetierenden Menschen. Die Lager müssen umgehend aufgelöst und die Menschen sicher in anderen EU-Staaten aufgenommen werden;
  • die umgehende Einstellung sämtlicher Rüstungsproduktion in Deutschland und die schnelle und umfassende Konversion zur Produktion dringend benötigter Güter der medizinischen Versorgung.

Wir rufen deshalb dazu auf:

  • sich auch unter den Bedingungen der Bekämpfung des Coronavirus für eine demokratische, freie und humane Gesellschaft einzusetzen;
  • demokratische Rechte zu verteidigen und den Wiederaufbau eines funktionierenden Gesundheitssystems, das für die PatientInnen und nicht für Profite existiert, zu erkämpfen.

Und wir rufen alle Brandenburger_innen und Berliner_innen auf, in der Zeit zwischen dem 22. und dem 30. April, den Jahrestagen der Befreiung von Ravensbrück und Sachsenhausen, individuell und unter Einhaltung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen gegen eine Weiterverbreitung des Virus, an den Gedenksteinen für die Todesmärsche im Frühjahr 1945 und an Gedenkstellen für KZ-Außenlager und Zwangsarbeitslager Blumen niederzulegen.

Der Landesvorstand der VVN-BdA Brandenburg,

Brandenburg, den 29. März 2020

Der Landesvorstand der Berliner VVN-BdA,

Berlin, den 29. März 2020

https://brandenburg.vvn-bda.de/erklaerung-der-landesverbaende-berlin-und-brandenburg-der-vvn-bda-zur-aktuellen-corona-krise/

Europa muss jetzt hinsehen und helfen – Große Gefahr für Roma

Logo_Verband Sinti und Roma Hessen

Darmstadt, 31.03.2020

 

Roma und Sinti stellen mit über 10 Millionen Menschen die größte ethnische Minderheit Europas dar. Die Angehörigen der Minderheit sind derzeit massiv bedroht.

In Bulgarien wurden in den vergangenen Tagen mehrere Stadtviertel, in denen Menschen mit Roma-Hintergrund leben, von staatlicher Seite abgeriegelt. Dabei wird auch mit dem Gerücht operiert, Angehörige der Roma hätten das Corona-Virus nach Bulgarien eingeschleppt. Die betroffenen Menschen werden grundrechtswidrig von jeder medizinischen Versorgung ausgeschlossen, die Versorgung mit Lebensmitteln und allen anderen Gütern des täglichen Bedarfs abgeschnitten. Damit wird eine katastrophale humanitäre Notlage vom bulgarischen Staat unter Verwendung rassistischer Begründungen herbeigeführt.

In vielen weiteren osteuropäischen Ländern, vorallem in Ungarn, in der Slowakei und in Rumänien sowie auf dem Balkan ist die Lage für Menschen mit Roma-Hintergrund bereits jetzt äußerst prekär. In Serbien leben mindestens 70 Prozent der Roma in sogenannten Roma-Siedlungen und sind dort mit schrecklicher Armut konfrontiert, häufig ohne Kanalisation und Wasseranschluss. Einen geringen Lebensunterhalt finden die dort lebenden Menschen im informellen Sektor, in der Saisonarbeit und dem Sammeln von Wertstoffen. Da es keine soziale Absicherung gibt, sind die Menschen nun völlig mittellos. Gleichzeitig sehen sich die zuständigen Institutionen nicht in der Verantwortung, die Menschen zu unterstützen. Letzte Woche haben Angehörige der Roma auch in mehreren albanischen Städten protestiert, da sie nichts mehr zu essen haben.

 

In Nordmazedonien sind neun Roma-Musiker aus einer Gruppe von 200 Menschen an der Grenze angehalten und unter Quarantäne gestellt worden.

Sie sind die ersten Personen, die bei ihrer Rückkehr ins Land in Quarantäne mussten, und die einzigen, die festgehalten wurden, obwohl sie keine Symptome des Covid-19-Virus zeigten.

„An diesen Vorgängen zeigt sich, wie erschreckend aktuell der jahrhundertealte Antiziganismus noch immer ist“, sagt Adam Strauß, Vorsitzender des Landesverbandes. „Auch hierzulande wurde und wird der Hass auf Sinti, Roma und andere Minderheiten geschürt, wenn etwa von Wirtschaftsflüchtlingen und Armutszuwanderung die Rede ist.“ „Heute deutet sich eine europaweite Katastrophe an, die Hunderttausende Leben fordern könnte. Wir fordern die europäischen Regierungen auf, wirksame Maßnahmen gegen den Rassismus, die Ausgrenzung und die weitere Verelendung von Angehörigen der Roma und Sinti zu ergreifen. Europa muss jetzt hinsehen und helfen!“ so Adam Strauß abschließend.

 

Für Rückfragen erreichen Sie unser Büro unter 06151 – 977740 oder per Email an verband@sinti-roma-hessen.de.

Schlagwörter-Wolke